02/09/2026
Wenn der letzte Kutter aus dem Hafen verschwindet – was bleibt dann?
Ich habe lange überlegt, ob ich dazu etwas schreiben soll.
Aber dieses Thema betrifft meinen Beruf, meine Familie und unsere Küstenregion unmittelbar.
Um die geplanten Gebietsschließungen und die Zukunft der grundberührenden Fischerei ist es momentan erstaunlich ruhig geworden.
Für uns an der Wurster Nordseeküste geht es dabei nicht einfach um Linien auf einer Karte. Es geht um unsere Kutter, unsere Fischereibetriebe, unsere Familien und unsere Sielhäfen.
Und eines möchte ich ganz klar sagen:
Wir Fischer sind nicht gegen Naturschutz.
Wir leben von der Nordsee und wollen, dass sie auch für kommende Generationen gesund bleibt. Aber die Krabbenfischerei von heute ist nicht mehr die von früher. Fangzeiten wurden angepasst, technische Maßnahmen verbessert, Beifang reduziert und die Fischerei umfangreich kontrolliert und dokumentiert.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zu den Auswirkungen der Krabbenfischerei müssen bei weiteren Entscheidungen berücksichtigt werden.
Denn eine Gebietsschließung klingt auf einer Karte vielleicht einfach. Für einen kleinen Kutter bedeutet sie möglicherweise längere Wege, höhere Kosten und weniger Fangmöglichkeiten.
Und wenn ein Familienbetrieb aufgeben muss, verschwindet nicht nur ein Unternehmen.
Dann verschwindet ein Kutter aus dem Hafen.
Und mit ihm ein Stück Tradition, Erfahrung und Küstenkultur.
Gerade unsere Sielhäfen an der Wurster Nordseeküste leben von aktiver Fischerei. Kutter, Krabben, Fischbrötchen und das maritime Leben gehören zu unserer Region und sind auch für den Tourismus wichtig.
Ich möchte keinen Naturschutz verhindern. Ich möchte, dass Naturschutz und eine Zukunft für die Küstenfischerei gemeinsam gedacht werden.
Dafür muss miteinander gesprochen werden – auch mit den Menschen, die jeden Tag auf der Nordsee arbeiten.
Ich möchte einfach, dass wir genauer hinschauen, Fragen stellen und über dieses Thema sprechen.
Denn wenn Entscheidungen erst einmal getroffen sind, ist es vielleicht zu spät.
Was meint ihr: Wird eigentlich erst dann über die Folgen gesprochen, wenn der letzte Kutter nicht mehr im Hafen liegt?
Grüße von See
Polli Jan