04/02/2026
Guten Tag,
als Unternehmen treten wir im Social Web selten in Erscheinung. Heute jedoch sehen wir uns gezwungen, eine klare Stellungnahme abzugeben – aus Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden und aus tiefem Unverständnis über die anhaltende Untätigkeit in einem seit Jahren eskalierenden Problem.
Ich selbst bin seit 2010 im Eisenbahnbetrieb tätig und erlebe seit nunmehr 16 Jahren die Realität auf und an der Schiene. Bereits 2013 wurde öffentlich auf die zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte im Personenverkehr hingewiesen. Es gab Plakate, Kampagnen und Appelle an die Politik, endlich wirksame Maßnahmen zu ergreifen. Doch trotz aller Warnungen ist bis heute kaum etwas passiert.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die Gewalt nimmt zu, Jahr für Jahr. Am 03.02.2026 wurde ein Kundenbetreuer während einer Ticketkontrolle so schwer verletzt, dass er am Folgetag verstarb. Die Eisenbahnerfamilie trägt Trauer – und gleichzeitig wächst die Fassungslosigkeit darüber, wie wenig Schutz den Mitarbeitenden tatsächlich zuteilwird.
Die zentrale Frage lautet: Wie wollen wir als Gesellschaft dieser Gewalt begegnen?
Was muss geschehen, damit Beschäftigte im Bahnverkehr ihren Dienst tun können, ohne Angst vor körperlichen Angriffen? Wie kann es sein, dass Mitarbeitende Schweißausbrüche bekommen, sobald ein Fahrgast ohne gültiges Ticket auffällig wird? Warum müssen Kolleginnen und Kollegen mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen, obwohl sie lediglich ihren Job machen?
Seit über einem Jahrzehnt wird nach jedem Übergriff diskutiert, analysiert und angekündigt – doch konkrete, nachhaltige Maßnahmen bleiben aus. Andere Themen scheinen stets wichtiger zu sein. Dabei gibt es kaum etwas Grundlegenderes als die Fürsorgepflicht gegenüber den Menschen, die den Betrieb überhaupt erst ermöglichen.
Gewalt lässt sich nicht vollständig ausschließen, das ist uns allen bewusst. Aber sie lässt sich deutlich reduzieren, wenn man den Mut hat, konsequent zu handeln. Mut, der bislang fehlt.
Verehrte Frau Palla,
als Bahnchefin tragen Sie Verantwortung für die Sicherheit Ihrer Mitarbeitenden – unabhängig davon, wie viele Ebenen unter Ihnen Entscheidungen vorbereiten oder unterschreiben. Arbeitgeberfürsorge ist keine Option, sondern eine Pflicht. Es ist an der Zeit, dieser Pflicht endlich gerecht zu werden