24/09/2026
Ein bisschen ReLEXt aus unserem Alltag 🐾
Neulich sind Lex und ich wieder einem Hund begegnet, den wir schon lange vom Gassigehen kennen. Eine ältere Hündin, die wir immer mal wieder treffen.
Es passiert erstaunlich oft, dass sie stehen bleibt, wenn sie uns sieht. Ihr Herrchen ruft sie dann immer wieder, aber sie kommt nicht.
Letztes Mal habe ich ihn deshalb angesprochen und gefragt, warum er sie eigentlich immer wieder ruft, wenn sie doch offensichtlich nicht kommt.
Ich sagte zu ihm: „Vielleicht traut sie sich nicht, an uns vorbeizugehen. Oder sie möchte einfach gerade nicht. Es kann ja mehrere Gründe haben. Vielleicht gehst du mal ein Stück zurück und gehst mit ihr zusammen an uns vorbei.“
Er machte es nicht.
Stattdessen rief er weiter: „Los, was ist denn? Stell dich nicht so an. Jetzt komm doch.“
Also bin ich ein paar Schritte zur Seite gegangen, sodass ich nicht mehr so frontal in ihrem Sichtfeld war.
Und plötzlich kam sie.
Kein Kommando.
Kein Drängen.
Einfach ein bisschen mehr Raum.
Eine ähnliche Situation hatte ich einmal im Wald mit einem großen schwarzen Hund.
Sein Herrchen fuhr mit dem Fahrrad an uns vorbei. Der Weg war sehr schmal und das Herrchen war schon längst an uns vorbei, als der Hund kam.
Ich kannte den Hund nicht und wusste natürlich nicht, wie er reagieren würde. Aber meine Intuition sagte mir irgendwie: Der Hund hat gerade Stress.
Also habe ich es einfach ausprobiert. Ich bin nur einen kleinen Schritt zurückgegangen und habe mich seitlich von ihm abgewandt.
Und zack – lief der Hund an uns vorbei.
Auch hier hat ein bisschen mehr Raum gereicht.
Ich finde solche Situationen immer wieder spannend.
Weil wir Menschen so schnell versuchen, Verhalten einzuordnen:
„Der will nicht.“
„Der kann das nicht.“
„Der hat Angst.“
„Der ist schwierig.“
Dabei wissen wir manchmal gar nicht, was gerade wirklich los ist.
Vielleicht braucht der Hund einfach ein bisschen mehr Abstand.
Vielleicht braucht er Zeit.
Vielleicht braucht er Unterstützung.
Und manchmal können wir einem Hund genau das geben, auch wenn sein Mensch gerade selbst nicht erkennt, was er braucht.
Einfach indem wir hinschauen.
Und ehrlich gesagt tut es mir manchmal leid, wenn ich merke, dass ein Mensch gerade gar nicht sieht, was sein Hund eigentlich braucht.
Früher hätte ich mich tierisch darüber aufgeregt.
Heute ist es etwas anders. Ich verurteile den Menschen deshalb nicht. Vielleicht sieht er es gerade einfach nicht. Vielleicht hat er noch nie darüber nachgedacht. Und vielleicht ist er auch gar nicht offen dafür, etwas erklärt zu bekommen.
Wenn ich aber selbst etwas tun kann, dann mache ich es einfach.
Ich gehe einen Schritt zur Seite. Ich schaffe ein bisschen mehr Raum. Ich breche mir damit keinen Zacken aus der Krone.
Im Gegenteil: Ich kann dem Hund damit die Situation ein kleines bisschen leichter machen.
Und ehrlich gesagt fühlt sich das danach richtig gut an.
Und wenn ich darüber nachdenke, ist das auch etwas, das sich bei mir selbst verändert hat.
Früher hatte ich oft Angst, wenn ein fremder Hund ohne Leine auf uns zukam. Und ich habe nicht wahrgenommen, was der Hund gerade gezeigt hat, weil ich viel zu sehr mit meiner eigenen Unsicherheit beschäftigt war.
Heute vertraue ich meiner Wahrnehmung und meiner Intuition viel mehr.
Vielleicht müssen wir nicht immer den Menschen davon überzeugen, was sein Hund gerade braucht. Manchmal können wir einfach selbst einen kleinen Schritt machen.
Vielleicht ist Hunde verstehen manchmal gar nicht so kompliziert.
Vielleicht beginnt es einfach damit, wahrzunehmen, was gerade passiert – und dem Hund die Möglichkeit zu geben, seinen eigenen Weg zu finden.
❤️ Katja und Lex 🐾
📷 Das Bild wurde mit KI erstellt und dient zur Veranschaulichung der Geschichte.