12/07/2021
TMA-eSport – Nach 13 Jahren endet eine Ära und ein schönes Kapitel
Manchmal passieren Sachen, die so unvorstellbar wirken, dass es schwer fällt sie zu glauben. Für einige galt TMA-eSport als unkaputtbar und als ein Dinosaurier, der niemals sterben wird. Auch die Anteilnahme und das Feedback aus der Community zeigt uns, dass wir ein gutes Standing hatten. Aber es handelt sich nicht um einen PR-Gag oder eine Namensänderung. Es handelt sich 100% um eine Schließung des Vereins bzw. der Organisation.
Dieser Entschluss war keinesfalls eine Kurzschlussreaktion, sondern eine Überlegung, die über mehrere Tage und Wochen hinweg diskutiert wurde. Der Gedanke bzw. die tatsächliche Schließung, war für uns keine leichte Entscheidung und hat uns selbst sehr emotional werden lassen. 13 Jahre sind als solches eine lange Zeit und gerade im schnelllebigen eSport ist dies schon ein kleiner Meilenstein. Schließlich sind in 13 Jahren sehr gute und enge Freundschaften entstanden, man hat Hochzeiten miterlebt, hat die Geburt einiger Kinder begleitet, hat seelischen Beistand geleistet, hat sich finanziell unterstützt und sogar gesundheitliche Einschnitte einiger Member erleben müssen. Fernab der Konsole, haben wir uns sehr eng miteinander verbunden und sind durch Höhen und Tiefen gegangen. Solche Ereignisse und Momente prägten das Zusammenleben in TMA-eSport und machte uns zu etwas ganz Besonderem.
Das wir nun nach 13 Jahren von der Bildfläche verschwinden, ist selbst für die leitenden Personen im Verein noch unvorstellbar. Es ist aber der richtige Weg und ein Weg, der auch so kommen musste. Um dies jedoch zu verstehen, müsste man hinter die Kulissen schauen und auch Hintergrundwissen zu einigen Personen haben. TMA spaltete die Community wohl wie keine andere Organisation in der Szene. Entweder liebte man die Family oder man hasste sie. TMA war bekannt dafür zu polarisieren, Akzente zu setzen, Innovationen einzugehen, zu provozieren oder Sachen zu machen, die andere als idiotisch betrachteten. Über den spielerischen Erfolg konnte man gern diskutieren. Es gab sehr erfolgreiche Zeiten und auch weniger erfolgreiche Zeiten. Es gab Teams, die generell weniger gut waren und eher als Punktelieferant galten. Aber es gab auch Teams bei uns, die anderen Teams und Organisationen die Stirn boten und für den gewissen Respekt gesorgt haben. So oder so haben wir uns immer als was „Anderes“ gesehen. Wir haben uns weder als „schlecht“ oder „gut" betrachtet. Wir haben immer versucht menschlich zu bleiben, die sozialen Kompetenzen unserer Spieler zu prägen und ggf. einzuwirken. Wir hatten einen enormen Anspruch an die Menschlichkeit und auch das Auftreten unserer Leute.
Die Schließung von TMA-eSport ist zustande gekommen, weil es zum Einen sehr viel Arbeit war, die man nur noch in einer Vollzeitstelle hätte ausfüllen können, aber zum Anderen auch, weil das Vereinsleben sich geändert hatte und man den Ansprüchen einiger nicht mehr gerecht werden konnte. Wir konnten unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden und konnten auch teilweise die Wünsche und Anregungen unserer Mitglieder nicht mehr realisieren. Viel Kraft, Zeit, Energie und Nerven haben den Alltag in TMA geprägt und auch bei den Verantwortlichen Spuren hinterlassen. In den letzten 2 Jahren veränderte TMA sich sehr stark, teilweise zu stark. Dadurch entstanden viele Baustellen und weitere Probleme. Eine hohe Anzahl an Spieler- und Teamwechseln waren die Folge, wodurch die Beständigkeit und das Familiäre verloren ging. Alte Mitglieder fühlten sich nicht mehr zugehörig und neue Mitglieder konnten sich nicht gut genug integrieren. Ein weiterer Beweggrund waren die vielen Aufgaben, die nur auf wenigen Schultern lasteten. Einige redeten sogar von einer One-Man-Show und munkelten, dass dies nicht lange gut gehen würde. In Wirklichkeit gab es auch andere Personen, die mitgewirkt und gelenkt haben. Jedoch haben auch diese Personen ein Privatleben, das zuletzt durch TMA-eSport litt. Man hatte zwar immer wieder versucht Nachwuchs für die Führung heranzuholen oder fähige Leute ins Boot zu holen, jedoch sind viele dieser Varianten im Sande verlaufen oder die Personen hatten andere Absichten. So entwickelte sich in den letzten 2 Jahren ein schleichender Prozess, der Stück für Stück dafür sorgte, dass TMA-eSport an Glanz verlor und nicht mehr das TMA war, was es einmal war. Das sich was verändert hat, wollten wir uns nicht eingestehen und haben diese Tatsache auch lange klein geredet. Dabei haben wir nicht bemerkt, dass die Blase immer größer wurde. Streitereien, Diskussionen, Reiberein und teilweise auch schlechte sportliche Leistungen wurden immer mehr. Wenn man so ein Hobby verfolgt, dann sollten alle Beteiligten auch daran Spaß haben und mit Freude dabei sein. Dies konnten wir zuletzt nicht mehr garantieren und haben diesen Schritt gewählt.
Wir geben zu, nach ein paar Stunden Abstand zu dem Ganzen laufen uns auch ein paar Tränen über die Wange und sind diesbezüglich emotional, weil 13 Jahre einfach eine unglaublich lange Zeit ist, die einfach nicht aus den Köpfen gehen wird. Neben den oben beschriebenen privaten Momenten, hatten wir auch sportliche und organisatorische Ereignisse, auf die wir gerne zurückblicken und auch sehr stolz sind. 2008 begann alles mit einer Handvoll Menschen die mit Spaß und Freude „Rainbow Six Vegas“ spielten. Es folgten schnell weitere Spieler und somit auch weitere Mitstreiter/innen, die mit uns durch das Gaming und den eSport gingen. Als eines der aktivsten Teams formten und prägten wir damals die PSL mit und gaben der PS4 ein Gesicht. Wenig später interessierten wir uns auch mehr und mehr für „Call of Duty“ und mussten in dem Spiel lange kämpfen, um akzeptiert zu werden. Mit sehr fragwürdigen Sachen machten wir auf uns aufmerksam und sorgten für den einen oder anderen Lacher in der Szene. Da gab es unter anderem die Aktion für kleinere Teams mit dem Namen „Ein Herz für … „, die sehr umstrittene Miss Playstation Wahl oder auch der bekannte TMA Stringtanga, der bei den harten Boys der Szene für Unverständnis sorgte. Aber wir konnten auch anders und das zeigten wir oft genug. Hier und da haben wir unseren Stempel aufgedrückt. Wir waren präsent in Spielzeitschriften, schafften es sogar kurzzeitig auf Sport1, besuchten Radiosender und bekamen eine eigene Hymne. Ein Denkmal hatten wir uns 2017 gesetzt, als wir die TMA MASTERS 2017 veranstalteten und ein bis dato eins der größten und besten Events veranstalteten. Zwei Jahre später unterstützten wir mit Know-How und Men-Power auch das GAIMX GLADIATORS TOURNAMENT und konnte erneut zeigen, dass wir an organisatorischen Sachen eine große Freude haben. Gleiches gilt auch für unsere FIFA Turniere, die wir gemeinsam mit Media Markt veranstaltet hatten.
In den 13 Jahren haben wir ein enormes Netzwerk aufgebaut und haben uns immer sehr um Öffentlichkeitsarbeit, gemeinsame Projekte und einen Austausch mit anderen Teams, Organisationen und Vereinen bemüht. Ganz egal in welchem Spiel, in welcher Liga oder auch auf welcher Plattform. Wir hatten unsere Finger immer im Spiel und haben auf unsere ganz eigene Art unsere Linie verfolgt und unsere Interessen deutlich gemacht. Ebenso haben wir auch viele Personen gefördert und unterstützt. Entweder haben junge, gute Talente ihre Karriere bei uns gestartet oder großartige Menschen haben bei uns ihre Karriere beendet – darauf sind wir stolz. Stolz sind wir auch, dass wir einigen FIFA Spielern den Einstieg in die eSports Szene geben konnten und sie später dann ihr Hobby bei Bundesligisten weiterführen konnten. Auch der eine oder andere Streamer konnte durch uns seine Reichweite erweitern und den Einstieg in die weite Welt des Streamings finden.
Wir sind stolz auf diese wunderschönen 13 Jahre und denken, dass der jetzige Zeitpunkt der richtige war. Lieber aufhören, wenn es am schönsten ist und im Positiven die Bühne verlassen. Sonst wäre vieles kaputt gegangen, man wäre eventuell Gefahr gelaufen uns im Streit zu trennen oder als ausgelutschter eSport Verein abgestempelt zu werden. Also wischen wir unsere Tränen (Glückstränen aber auch aus Trauer) und blicken auf eine einzigartige, legendäre und atemberaubende Zeit zurück.
Wir Danken jedem Spieler, jedem Ex-Mitglied und jedem Team, das ein Teil von uns war. Wir danken denen, die immer an uns geglaubt hatten und uns unterstützt haben. Wir danken allen Personen, die irgendwie in den 13 Jahren Verantwortungen übernommen hatten und somit TMA mitgeformt haben. Wir danken aber auch den Partnern & Sponsoren, die uns unterstützt haben und das teilweise auch dann, als wir noch ein kleines Licht am Horizont waren. Ebenso möchten wir auch den Teams und Vereinen danken, mit denen wir gemeinsame Sachen machten oder gegeneinander Spiele absolvierten. Nur weil es den Verein nicht mehr gibt, wird die TMA Familie trotzdem im Kontakt bleiben und in jedem von uns wird der schlagen.
In diesem Sinne verabschieden wir uns mit einem „Danke für alles“ und wünschen unseren ehemaligen Spielern und Teams, maximale Erfolge und gutes gelingen in anderen Clans, Orgas und Vereinen.