16/05/2024
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AKTUELLES 15.Mai 2024
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Holzbau nicht durchsetzbar?
Neulich erfuhren wir von einer wirklich bemerkenswerten Stadtratssitzung in Rheinland-Pfalz. In diesem wichtigen Organ der kommunalen Selbstverwaltung ging es um die Errichtung eines einfachen zweigeschossigen Kindergartens. Alle Beteiligten, auch Baufachleute, waren sich einig in ihrer Ablehnung der angedachten Holzbauweise – sie wurde einhellig als nicht konkurrenzfähig eingestuft.
Die öffentlich dargelegten Gründe gegen den Holzbau zeugten von partieller Bildungsferne und letztlich von der Gleichgültigkeit gegenüber der dringend gebotenen Bauwende. Wie so oft wurden die üblichen Vorurteile gegen das Bauen mit Holz bemüht: Angefangen beim Brand- und Schallschutz bis hin zur Aussage, dass "Holz nun einmal feucht wird und fault". Der Tragwerksplaner riet generell davon ab, ein mehrgeschossiges Gebäude in Holz auszuführen.
Vom Projektsteuerer wurde die Herkunft des zu verwendenden Holzes grundsätzlich in Skandinavien verortet, als ob in Deutschland kein Holz mehr verfügbar wäre. Man bedenke: über 42 Prozent der Fläche von Rheinland-Pfalz sind mit Wald bedeckt! Er übersah auch – vorsätzlich? –, dass Holzquellen und Holzbaubetriebe in der Region existieren. Wenn Holz, dann sollten eher 10,4 Mio. statt 9,1 Mio. Euro veranschlagt werden. Diese Aussage wurde getroffen ohne eine holzbauoptimierte Planung, da diese "nochmals zu nicht unerheblichen Mehrkosten" geführt hätte.
Dass Architekten, Ingenieure und Projektsteuerer frei von Fachkenntnissen solche Empfehlungen abgeben, erleben wir auch bei unserer regionalen und bundesweiten Fachberatung noch viel zu oft. Wenn sich gewählte Gremien wie ein Gemeinderat oder Bauausschuss, also unsere Bürgervertretungen, von solchen Fehl- oder Vorurteilen leiten lassen, wird es sehr schwer, die Bauwende voranzutreiben.
Apropos Kindergarten: Was sagen wohl die Eltern der Kinder zu einer solchen Entscheidung?
Es geht auch anders: Kita Sofie-Haug Tübingen 2-geschossig, Dannien Roller Architekten + Partner, Tübingen
© dietmar strauß bildermacher