30/06/2026
Vereinigung Badischer Unternehmen und Verbände e.V.
𝐖𝐞𝐠𝐟𝐚𝐥𝐥 𝐯𝐨𝐧 𝐌𝐢𝐧𝐢𝐣𝐨𝐛𝐬 𝐦𝐮𝐬𝐬 𝐬𝐨𝐟𝐨𝐫𝐭 𝐯𝐨𝐦 𝐓𝐢𝐬𝐜𝐡!
Geplante Abschaffung der Minijobs ist in Wirklichkeit eine versteckte Steuererhöhung für Arbeitnehmer. Zu Lasten von Mittelstand und vorbei an sozialer Realität.
Die Vereinigung Badischer Unternehmen und Verbände (VBU) lehnt die von der Bundesregierung geplante Abschaffung beziehungsweise grundlegende Einschränkung der geringfügigen Beschäftigung mit Nachdruck ab. Das Vorhaben ist wirtschaftspolitisch verfehlt, sozial unausgewogen und stellt einen massiven Eingriff in einen seit Jahrzehnten bewährten Bestandteil des deutschen Arbeitsmarktes dar.
>> In Wahrheit eine versteckte Steuer- und Abgabenerhöhung
Unter dem Deckmantel einer Rentenreform droht in Wahrheit eine versteckte Steuer- und Abgabenerhöhung für Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für hunderttausende Arbeitgeber. Schon heute entrichten Arbeitgeber für Minijobs pauschale Abgaben in Höhe von rund 31 Prozent. Diese setzen sich aus 15 Prozent Rentenversicherung, 13 Prozent Krankenversicherung, 2 Prozent Pauschsteuer sowie 1,17 Prozent Umlagen zusammen. Hinzu kommt die Progression. Wer dieses Beschäftigungsmodell zusätzlich in die reguläre Sozialversicherungspflicht überführt, belastet insbesondere Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen. Für Arbeitnehmer bedeutet dies weniger Netto vom Brutto (ca. 1/3), für Arbeitgeber höhere Personalkosten, zusätzliche Bürokratie und einen erheblichen Verlust an Flexibilität.
Besonders betroffen wären jene Menschen, für die Minijobs oftmals unverzichtbar sind: Berufstätige mit einem Zuverdienst, Studierende, Rentnerinnen und Rentner, Eltern in Teilzeit sowie Menschen mit familiären Pflegeaufgaben. Rund zwei Drittel aller gewerblichen Minijobber sind zwischen 24 und 64 Jahre alt, 55,9 Prozent sind Frauen, 18,3 Prozent besitzen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Minijobs sind damit keineswegs ein Randphänomen, sondern ein tragender Bestandteil des deutschen Arbeitsmarktes.
Auch die Sozialversicherung profitiert erheblich von diesem Beschäftigungsmodell. Allein im ersten Quartal wurden über Minijobs rund 1,3 Milliarden Euro an Beiträgen zur Rentenversicherung sowie 1,02 Milliarden Euro zur Krankenversicherung abgeführt.
>> Wer Minijobs abschafft, gefährdet damit nicht nur flexible Beschäftigungsmöglichkeiten, sondern reduziert das Nettoeinkommen der Arbeitnehmer:Innen sowie stabile Einnahmen der Sozialversicherungssysteme.
Für zahlreiche Unternehmen, insbesondere im Handwerk, im Mittelstand, im Handel, im Gastgewerbe, im Dienstleistungsbereich sowie in sozialen Einrichtungen, sind Minijobs ein unverzichtbares Instrument, um Auftragsspitzen, saisonale Schwankungen oder kurzfristige Personalengpässe wirtschaftlich aufzufangen. Eine Abschaffung würde die Personalkosten erhöhen, die Wettbewerbsfähigkeit schwächen und den ohnehin bestehenden Fach- und Arbeitskräftemangel weiter verschärfen.
Die VBU sieht in den Plänen der Bundesregierung deshalb keinen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit, sondern das Gegenteil: Arbeit wird verteuert, Beschäftigung erschwert und bürokratische Belastungen werden weiter ausgeweitet. Ein bewährtes und funktionierendes Arbeitsmarktinstrument würde ohne erkennbaren Nutzen zerstört.
>> Gesetzesvorhaben unverzüglich zurückzuziehen
Die VBU fordert die Bundesregierung mit Nachdruck auf, dieses Gesetzesvorhaben unverzüglich zurückzuziehen. Statt bewährte Beschäftigungsmodelle abzuschaffen, braucht Deutschland eine Wirtschaftspolitik, die Arbeit fördert, Bürokratie abbaut und Unternehmen entlastet. Wer funktionierende Strukturen ohne tragfähige Alternative zerschlägt, gefährdet Arbeitsplätze, wirtschaftliche Stabilität und den sozialen Zusammenhalt.
„Die geplante Abschaffung der Minijobs ist schlecht durchdacht und wird die bestehenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt weiter verschärfen. Am Ende verlieren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ebenso wie Arbeitgeber. Was als Reform angekündigt wird, entpuppt sich als versteckte Steuer- und Abgabenerhöhung sowie als weiterer Bürokratieschub für den Mittelstand. Die Bundesregierung muss dieses Vorhaben jetzt stoppen und stattdessen die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes stärken“, erklärt VBU-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Rupp-Hafner.