03/09/2026
Historische Sorte als Antwort auf aktuelle Herausforderungen?
Obstsorte des Jahres 2026 in der Schweiz
Alte Sauerkirsche mit starker Verbreitung
Das Hallauer Aemli ist eine der wenigen, in fast der gesamten Schweiz
weit verbreiteten Sauerkirschsorten. Erstmals beschrieb Prof. Fritz Ko-
bel die Sorte 1937 in dem Werk „Kirschensorten der Schweiz“. Ein ver-
mehrtes Vorkommen im Kanton Schaffhausen weist darauf hin, dass
die Sorte dort entstand. Vermutlich handelt es sich um einen Zufalls-
sämling. Auch im Erwerbsanbau fand die Sorte Verwendung. Die An-
baufläche die im Jahr 2000 noch ca. 140 Are (=1,4 ha) betrug, ist jedoch
bis 2025 auf ca. 13 Are (0,13 ha) geschrumpft.
Die Besonderheiten der Hallauer Aemli
Die Sorte fällt durch regelmäßigen und guten Ertrag auf. Die kleinen
Früchte sind für die Aemli-Gruppe vergleichsweise groß und weniger
herb als andere Typen. Die Früchte sind gleichmäßig hellrot gefärbt
mit cremeweißem Fruchtfleisch und rosa bis farblosem Saft. Als saure
und eher frühe Verarbeitungs- und Tafelkirsche ist sie im Obstgarten
eine vielseitige Ergänzung.
Sauerkirschen gelten grundsätzlich als anspruchslos. Sie gedeihen auch
auf kargeren Böden und kommen mit schattigeren Lagen besser zu-
recht als viele andere Obstgehölze. Das Hallauer Aemli bestätigt diesen
Ruf und eignet sich auch für Standorte an einer Nordfassade oder in
höheren Lagen. Der kleine, unkomplizierte Baum eignet sich aufgrund
seiner Selbstfruchtbarkeit auch als Einzelbaum. Gegenüber Krankhei-
ten zeigt sich das Hallauer Aemli insgesamt als robust. Blütenmonilia
kann, wie bei allen Sauerkirschen, in feuchten Blütephasen auftreten,
ebenso gelegentlich Schrotschuss.
Ein Kirschanbau ist trotz Kirschessigfliege möglich
Die Kirschessigfliege hat den Kirschenanbau grundlegend verändert.
Die aus dem asiatischen Raum eingewanderte Art legt ihre Eier in rei-
fende Kirschen, welche in Folge faulen und nach Essig riechen. Hoch-
stammkirschen sind kaum mehr tragbar, im Privatgarten verschwin-
den sie zunehmend. Sorten wie das Hallauer Aemli zeigen, dass gerade
im Privatgarten diese Kirschentradition noch nicht verloren ist. Die ge-
ringe Baumgröße ist ein entscheidender Vorteil der Sorte: Der Baum
lässt sich mit vertretbarem Aufwand einnetzen und damit vor Befall
durch die Kirschessigfliege schützen.
Mehr zum Hallauer Aemli bei Fructus
Quelle: Fructus (2026), Obstsorte des Jahres 2026 / Nabu Streuobstbrief