16/06/2026
Uns wirft nichts aus dem Gleis.
Ein nächtlicher Gleisabbruch wirkt spektakulär: schwere Maschinen, Lastwagen im Takt, Funken im Dunkeln. Doch dahinter stehen vier klar strukturierte Begehungen, dutzende Beteiligte und eine präzise abgestimmte Organisation. Clemens Werndli, Bauführer und stellvertretender Geschäftsführer von KIBAG Zürich Tiefbau und Rückbau, betont: Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Wer an einem Samstagmorgen vorbeikommt, sieht zwar das Schauspiel der Baustelle, aber der tatsächliche Aufwand beginnt bereits Monate zuvor. Bereits 3 Monate vor Baubeginn startet die erste Begehung mit den Verkehrsbetrieben (VBZ Züri-Linie). Hier wird geklärt, wie viel Platz vorhanden ist und wo Zufahrten und Engpässe entstehen. Danach folgen Abstimmungen mit Vertretern von KIBAG, den Verkehrsbetrieben, der Stadt (Stadt Zürich) und weiteren Partnern – immer unter Berücksichtigung von Logistik, Sperrungen und Verkehrsführung. 4 Tage vor Baustart rücken die Werkleitungen in den Fokus: Strom-, Telekom- und Steuerleitungen werden lokalisiert; dabei darf nichts beschädigt werden. Kurz vor Baubeginn werden offene Punkte geklärt und Maschinenstandorte markiert.
Der eigentliche Rückbau verlangt höchste Taktung: Am Kreuzplatz in Zürich wurden 150 Meter Gleis mit 44 Mitarbeitenden zurückgebaut. Grosse und kleine Maschinen arbeiten im Schichtbetrieb, Materialtransporte verlaufen im Minutentakt. Jedes Detail ist geplant, von der Wartezone der Lastwagen bis zur Reihenfolge der Arbeitsschritte. Jede Phase läuft in die nächste über, Verzögerungen wirken sich sofort aus. Besonders herausfordernd sind enge Platzverhältnisse und das Arbeiten im Takt des Öffentlichen Verkehrs: Häufig bleibt nur ein kurzes Nachtszeitfenster. Auch Sicherheit ist essenziell: Velofahrer und Arbeiten unter geerdeten Fahrleitungen erfordern grösste Aufmerksamkeit. Trotz minutiöser Planung muss oft improvisiert werden, etwa bei Maschinenausfällen oder unvorhergesehenen Hindernissen. Am Ende steht ein Resultat, das auf Teamarbeit beruht und dafür sorgt, dass die Stadt am nächsten Morgen wieder funktioniert.