17/08/2026
Diesen Satz hat eine Kundin von ihrem Tierarzt gehört.
Wenn ich ehrlich bin, machen mich solche Aussagen traurig. Nicht, weil ich glaube, dass Medical Training jedes Problem lösen kann. Sondern weil sie zeigen, dass oft noch gar nicht verstanden wird, worum es im Medical Training eigentlich geht.
Medical Training bedeutet nicht, dass jedes Tier nach kurzer Zeit jede Untersuchung entspannt über sich ergehen lässt. Es bedeutet auch nicht, dass jeder Hund irgendwann völlig angstfrei beim Tierarzt behandelt werden kann. Das wäre ein viel zu einfaches Bild.
Jedes Tier bringt seine eigene Geschichte mit und jedes Mensch Tier Team verfolgt ein anderes Ziel.
Der eine Hund hat Angst vor fremden Menschen. Der nächste lässt sich zu Hause problemlos anfassen, gerät aber beim Tierarzt in Panik. Ein anderer hat Angst vor der Schermaschine oder wehrt sich beim Krallen schneiden.
Genau deshalb ist auch jedes Trainingsziel individuell.
Wer also sagt: „Medical Training wird bei diesem Hund nicht funktionieren", kann das eigentlich gar nicht beurteilen. Denn niemand weiß, welches Ziel dieser Mensch mit seinem Tier erreichen möchte.
Für mich beginnt Medical Training viel früher.
Es beginnt in dem Moment, in dem ein Tier lernt, dass sein Mensch ihm zuhört. Dass seine Bedürfnisse wahrgenommen werden. Dass seine Grenzen respektiert werden und es nicht einfach übergangen wird.
Genau daraus entsteht Vertrauen.
Und Vertrauen verändert oft viel mehr, als wir auf den ersten Blick erkennen.
Natürlich gibt es Tiere, die trotz sorgfältigem Training niemals völlig entspannt beim Tierarzt behandelt werden können. Gerade bei Tieren mit belastenden Vorerfahrungen oder chronischen Erkrankungen stoßen wir manchmal an Grenzen.
Aber genau das bedeutet nicht, dass Medical Training gescheitert ist.
Im Gegenteil.
Medical Training hat vielleicht bereits dafür gesorgt, dass das Tier seinem Menschen vertraut, sich leichter begleiten lässt oder schneller wieder zur Ruhe findet. Und wenn eine Behandlung trotzdem nicht vollständig im Kooperationssignal möglich ist, stehen uns zusätzlich Möglichkeiten des Low Stress Handlings zur Verfügung, um den Stress so gering wie möglich zu halten und das Tier bestmöglich zu unterstützen.
Deshalb wünsche ich mir, dass wir aufhören zu fragen:
„Funktioniert Medical Training bei diesem Tier?"
Und stattdessen fragen:
„Wie können wir diesem Tier helfen, mit dieser Situation besser zurechtzukommen?"
Denn genau darum geht es.
Medical Training ist kein Versprechen auf Perfektion.
Medical Training ist ein Weg zu mehr Vertrauen. Und manchmal ist genau dieses Vertrauen der größte Erfolg, den wir gemeinsam mit unseren Tieren erreichen können.
Wenn du nicht nur einzelne Übungen lernen möchtest, sondern verstehen willst, wie Vertrauen entsteht und warum Medical Training so viel mehr ist als ein Kooperationssignal, dann begleiten wir dich gerne auf diesem Weg. Im September startet unser Medical Training Lehrgang für Pferde, der nächste Hundelehrgang beginnt im März 2027. Alle Infos findest du unter www.diemedical-trainerinnen.at