24/01/2026
«VERWUNDETE WÜRDE»
Ich habe nicht gemalt, um etwas zu erklären. Dieses Bild ist entstanden, weil ich etwas gespürt habe. Etwas, das man nicht festhalten kann. Und auch nicht reparieren.
Ich widme dieses Bild meinem besten Freund, einem mehr als nur großartigen Künstler und feinen Menschen: Josef Ebnöther, der vor Kurzem von uns gegangen ist.
Josef hat einmal zu mir gesagt: „Bleib so wie du bist. Bleib dir selbst treu. Dann kannst du viel erreichen mit deiner Kunst.“
Josef hat nie von Technik gesprochen. Nie von Stil. Nie davon, wie man etwas macht.
Ich glaube, er meinte etwas ganz anderes.
Dass es in der Kunst und vielleicht auch im Leben nicht um Können geht. Sondern um Haltung.
Der Titel „Verwundete Würde“ beschreibt für mich etwas sehr Menschliches. Würde zeigt sich nicht im Glanz. Nicht im Lauten. Sondern dort, wo jemand verletzt ist und trotzdem bleibt.
Dieses Bild ist kein Trost. Aber vielleicht ein stilles Innehalten. Für das, was bleibt.
Ja, manchmal wünsche ich mir, dass wir da draußen einfach einen Moment darüber nachdenken. Nicht urteilen. Nicht recht haben. Sondern hinschauen.
Am Ende geht es nicht um Meinungen. Nicht um Macht. Es geht nicht um die Mächtigen.
Es geht um etwas viel Einfacheres. Um die Zukunft unserer Kinder. Darum, dass sie in einer Welt aufwachsen dürfen, In der Würde zählt. Und Frieden möglich bleibt.
Das ist alles.
„Ehre und Würde sind sein Gewand.“
(Psalm 104,1)
Künstlerstatement
«Verwundete Würde»
Oil on Canvas, 70 x 60 cm
Dieses Bild ist aus einer inneren Schwere heraus entstanden. Nicht als Kommentar, nicht als Absicht, sondern aus dem Bedürfnis, etwas auszuhalten. Ich habe nicht nach einer Form gesucht, sondern mich dem Prozess überlassen. Die dunkle, zentrale Gestalt hat sich gezeigt, nicht angekündigt.
Die Form erinnert an eine Krone, ohne herrschaftlich zu sein. Sie steht für Würde, die nicht glänzt. Für eine Würde, die gezeichnet ist, verletzt, aber nicht zerstört. Die Spuren des Fließens, des Abbrechens und der Verdichtung gehören bewusst zum Bild. Nichts wurde geglättet.
Verwundete Würde spricht für mich von einer Haltung. Von dem, was bleibt, wenn Sicherheiten fallen. Religiös verstanden verweist das Werk auf ein Königtum ohne Macht, auf Würde, die sich nicht behauptet, sondern trägt. Gleichzeitig bleibt das Bild offen für eine menschliche, existenzielle Lesart.
Ich sehe dieses Werk nicht als Abschluss, sondern als Zeugnis. Als Bild, das nicht erklärt, sondern begleitet. Still. Und standhaltend.
Peter Kupka