09/07/2025
Liebe Gesellschaft,
was hier gerade vorbereitet wird, geschieht leise – aber die Folgen werden laut und erbarmungslos sein.
Wenn der Entlastungsbetrag gestrichen wird, wenn eine Karenzzeit kommt, dann heißt das in der Praxis:
Hilfe wird gestrichen, wo sie am nötigsten gebraucht wird.
Nicht für Menschen, die rund um die Uhr beatmet werden müssen. Nicht für Menschen mit Demenz im Endstadium. Sondern für die, die noch zuhause sind, die alleine leben, die jeden Tag kämpfen – leise, unauffällig, oft unsichtbar. Für Menschen, die den Alltag alleine nicht mehr schaffen – aber eben noch nicht schwer pflegebedürftig sind. Genau diese Menschen fallen bei einer Streichung ins Nichts.
131 Euro im Monat.
Das ist der Betrag, über den diskutiert wird. Für uns alle vielleicht ein Tankvorgang, ein Wochenendeinkauf – für über 580.000 Pflegebedürftige aber die einzige Tür nach draußen.
Die einzige Möglichkeit, jemanden zu bezahlen, der sie zur Apotheke oder zum Einkauf begleitet. Jemanden, der im Haushalt hilft, oder einfach mal eine Stunde zuhört.
Diese Hilfe wird verschwinden. Und mit ihr verschwinden tausende Jobs.
Denn die Alltagsbegleitungen, die Betreuungsdienste, die niedrigschwelligen Angebote – sie leben vom Entlastungsbetrag. Streicht man den, bricht das Fundament weg. Die ersten Kontakte, das erste Vertrauen, die ersten kleinen Hilfen im Pflegegrad 1 sind für viele Dienstleister der Einstieg. Wird dieser Einstieg gekappt, werden Betroffene erst dann gesehen, wenn es längst zu spät ist.
Das ist nicht nur sozialer Rückschritt – das ist wirtschaftlich dumm!
Denn wer heute 131 Euro spart, zahlt morgen das Zehnfache an Heimplätzen, Klinikaufenthalten und Notfallversorgung.
Und trotzdem fordern führende Stimmen von Arbeitgebern, Wissenschaft und Kassen genau das:
BDA: Rücknahme des Entlastungsbetrages. Einführung einer nach Pflegegraden gestaffelten Karenzzeit.
Martin Werding, Wirtschaftsweiser: Zweifel am Bedarf überhaupt.
Dirk Janssen, BKK Nordwest: Streichung könne elf Milliarden Euro sparen.
IW Köln: Kritische Prüfung von Pflegegrad 1 und 2 – mit dem Ziel der Kürzung.
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise: Für Kürzungen und mehr Eigenbeteiligung.
Diese Leute beraten unsere Regierung. Ihre Worte wiegen schwer. Und genau deshalb müssen unsere Stimmen jetzt lauter werden.
Der Entlastungsbetrag ist kein Luxus. Er ist die erste Schutzlinie.
Wer ihn kappt, drängt Hunderttausende in Vereinsamung, Überforderung und Abhängigkeit.
Und die Alltagsbegleitungen, die jeden Tag helfen, die für Menschlichkeit sorgen – ihnen wird die Existenzgrundlage entzogen.
Wir sagen: Nein!
Nein zu einer Pflegepolitik, die wegsieht, statt zu helfen.
Nein zu einer Gesellschaft, die den Schwächsten den Rücken kehrt, um Zahlen zu schönen.
Nein zu Kürzungen, die Armut, Isolation und Überforderung erzeugen.
Wir fordern:
Erhalt des Entlastungsbetrags – ohne Abstriche.
Keine Karenzzeit – Hilfe muss sofort da sein, wenn sie gebraucht wird.
Anerkennung und Ausbau der Alltagsbegleitung – nicht deren Abschaffung.
Unterschreibt unsere Petition unter:
https://innn.it/entlastungsbetrag-bleibt
Informiert Euch über unser Protestbündnis “Mehr als Alltag” unter:
www.Mehr-als-Alltag.weebly.com
Sprecht darüber. Teilt ihn.Schreibt eure Abgeordneten an. Teilt diesen Aufruf.
Denn wenn wir jetzt nicht alle laut werden, wird es bald still – still in tausenden Wohnungen, in denen heute noch Menschen auf Hilfe hoffen.
Stefan Heyde
Fachtherapeut für Gerontologie und Geriatrie
Alltagsbegleitung Heyde
anerkannte Beratungsstelle der Pflegekassen