Emma, eine Schäferhund-Dame erzählt aus ihrem Leben

Emma, eine Schäferhund-Dame erzählt aus ihrem Leben Hundetraining, Hundeverhaltenstherapie, Hundeschule, positives Training

"Der Hund muss sozial verträglich sein!" Diesen Spruch höre ich ständig. Egal ob von Hundehaltern oder von Hundetrainern...
01/06/2025

"Der Hund muss sozial verträglich sein!"

Diesen Spruch höre ich ständig. Egal ob von Hundehaltern oder von Hundetrainern. Liest man in diversen Hundegruppen ständig.

Aber was bedeutet das? Was ist sozial verträglich? Und vor allem: MUSS mein Hund das sein?

Um etwas bewerten zu können, muss man erst einmal festlegen, was denn eigentlich mit sozial verträglich gemeint ist. Da gibt es ja verschiedene Sichtweisen, jeder hat da so seine Meinung zu.

Aber wenn man mal das Wort "sozial" definiert, bedeutet es dass man sich in die Gesellschaft einbringt, dass man hilft, das man Mitgefühl zeigt, das man höflich und taktvoll ist. Es bedeutet auch, seine Interessen hinten anzustellen, um anderen zu helfen. Am besten, man ordnet sich unter und hält sich an Regeln.
(Da bin ich schon eher unsozial 😂)

So, und nun kann sich jeder selbst mal überlegen, ob es richtig ist, ständig zu verlangen, dass der Hund sozial verträglich ist.

Meiner Erfahrung nach sind es die Hunde eigentlich von Grund auf, eine gute Sozialisierung und positive Erziehung vorausgesetzt. Wer sich oft nicht sozial verhält, ist der Mensch.
Und dadurch zeigt der Hund dann unerwünschte Verhaltensweisen.

Beispiel wie es sozial wäre:
Hunde A sieht von weitem Hund B auftauchen. Beide Hunde unangeleint. Hund A bleibt stehen, schaut und checkt die Lage.
Hund B wird nun auch aufmerksam, verringert seine Gescheindigkeit und schnuppert am Boden, guckt dabei aber immer mal zu Hund A.
Hund A merkt, dass Hund B nicht auf Krawall gebürstet ist, entspannt sich, läuft ein wenig vor, bleibt wieder stehen, wendet sich ab um einen Bogen zu laufen.
Hund B wagt es, ein wenig nach vorne, etwas dichter zu A, senkt dabei den Kopf, leckt sich über das Maul und hebt eine Pfote an.
Hund A geht dann schließlich zu Hund B und beschnüffelt die Analregion.
Hund B tut das Gleiche.
Alles ok, für nett empfunden und jeder geht wieder seines Weges.

Beispiel wie es unsozial ist:
Hund A trifft auf Hund B. Beide angeleint. Eigentlich will Hund A erst mal die Lage checken, geht aber nicht, weil er an der Leine mitgezerrt wird. Hund B hat Hund A noch nicht bemerkt.
Hund A versucht alles, um das andere Ende der Leine aufmerksam zu machen, dass er keinen direkten Kontakt möchte. Er bleibt stehen, wird langsamer, fängt an zu ziehen (zur Seite).
Aber das andere Ende der Leine geht einfach weiter.
Plötzlich entdeckt auch Hund B Hund A, erschreckt sich und bellt deswegen. Hund A lässt daraufhin seinen angestauten Frust raus und geht keifend nach vorne.
Beide Hunde werden dann auch noch vom anderen Ende der Leine für dieses unsoziale Verhalten geschimpft.

So, oder so ähnlich erlebe ich es jeden Tag. Immer wieder. Hunde werden gezwungen, sich unsozial zu verhalten, weil die Besitzer immer noch der Meinung sind, dass der da durch muss oder das lernen muss. Immer in der Hoffnung, dass es irgendwann besser wird.

Aber was verstehe ich nun unter sozial verträglich?
Ich sage lieber, gesellschaftsfähig. Denn ein Hund muss schon mal gar nichts, er kann, wenn er will oder bereit dazu ist.
Mein Hund muss niemanden mögen, er soll nur niemanden belästigen.
Ich möchte mich mit meinem Hund draußen in der Umwelt so bewegen, dass nichts passiert.

Mein Rüde Lou mag keine fremden Hunde. Das ist so und das ist sein Recht. Warum hat niemanden zu interessieren. Aber ich kann trotzdem mit ihm angeleint an anderen Hunden vorbei gehen und ihn auch mit zu Lernspaziergängen nehmen.
Eigentlich wäre dieser Hund unsozial.
Aber was ist daran unsozial, sein eigenes Wohlbefinden zu schützen? Nichts.

Meine Hündin Lilly bellt ab und zu fremde Menschen an und kann nicht mit jedem Hund. Sie ist eben klar und deutlich.
Eigentlich unsozial.
Aber warum darf sie nicht mitteilen, dass sie keinen Kontakt will?
Ich umarme ja auch nicht beim Spazieren gehen jeden Fremden, der mir über den Weg läuft.
Und ich lasse mich auch nicht ständig auf Gespräche ein. Wenn ich Lust habe, vielleicht. Aber wenn nicht, dann geh ich weiter.
Warum wird sowas einem Hund nicht erlaubt?

Ist ein Hund wirklich unsozial, wenn er sich verteidigt? Oder meldet, wenn sich etwas dem Grundstück nähert?
Ist ein Hund wirklich unsozial, wenn er an Leuten hoch springt, weil er sich freut?

Bewegte Objekte jagen, andere Tiere hetzen, fremde Hunde anpöbeln, andere Hunde mobben, aufgedreht in der Fußgängerzone herum springen, abschnappen usw.... All das sind Dinge, die unsozial sind. Aus Sicht der Menschen.

Aber ich finde es unsozial, sogar asozial, wenn man darüber urteilt. Denn keiner weiß, warum der Hund das tut. Das sind Momentaufnahmen.
Ein Hund kann Autos hetzen, was bestimmt nicht super ist. Aber nur allein deswegen ist er nicht unsozial.
Ein Hund kann andere Hunde anpöbeln, aber da dies oft ein selbst gemachtes Problem des Halters ist, ist das nicht unsozial vom Hund.
Ein Hund kann Angst vor fremden Menschen haben und deswegen zuschnappen. Hätte er die Wahl und würde nicht bedrängt werden, wollte und müsste er das Verhalten nicht zeigen. Somit auch nicht unsozial.

Das einzige, was für mich unsozial wäre, ist wenn man einen Hund bewusst aggressiv macht und das gut findet. Aber auch hier wieder, nicht unsozial vom Hund, sondern vom Mensch.

Viele erwähnten Dinge hier sind gut trainierbar und ich als Mensch habe die Verantwortung, dass mein Hund gesellschaftsfähig wird.
Ist das nicht möglich, da gibt es verschiedene Gründe für, muss ich eben schauen, wie ich diesen Hund anders glücklich machen kann.

Man muss ja auch immer schauen, wo man lebt. Hier bei mir im ländlichen Bereich ist es normal, wenn ein Hund am Zaun bellt. In der Stadt wäre es schon eher nervig.
Auch ein Hund, der mal andere Hunde anbellt, wird jetzt nicht sofort als Psycho abgestempelt.
Lebt man aber in der Stadt, und der Hund trifft auf viele fremde Hunde, dann hat man schnell seinen Ruf weg.

Daher sollte man sich immer im klaren sein, wie für sich ein sozial verträglicher Hund aussieht. Und dann sollte man überlegen, schafft das mein Hund, welche Unterstützung braucht er, was muss trainiert werden oder was kann man managen.

Ganz wichtig finde ich, dass man sich selbst nicht unter Druck setzt. Man ist niemanden Rechenschaft schuldig.
Nicht jeder hat den Hund von klein auf. Und selbst wenn man im Welpenalter alles richtig gemacht hat, kann eine dumme Situation alles verändern.
Auch hat man selbst vielleicht mal eine schlechte Phase, jeder hat im Leben mal Probleme.

Wichtig ist, dass man nicht zuviel verlangt und schon gar nicht versucht, alles jedem recht zu machen.

Mein Lou, so goldig und putzig wie er aussieht, kann recht unangenehm werden. Er hat auch Verletzungsabsichten, wenn andere Hunde ihm zu nahe kommen.
Und durch meine Unachtsamkeit ist es leider auch schonmal zu einem Beißvorfall gekommen.
Nicht schön. Das ist mir bewusst. Doch dann muss man auch die Konsequenzen tragen und daraus lernen. Denn eins wurde mir in den ganzen Jahren mit Hunden klar:

Jedes scheiß Verhalten von mir oder einem meiner Hunde, brachte mich zum Nachdenken und zum trainieren am Problem.

Es geht ja nicht darum, um aus meinem Lou den besten Kumpel für andere Hunde zu machen. Der Zug ist eh abgelaufen, der Kerl wird dieses Jahr 11, sondern darum, mit seiner Art besser umzugehen. Denn ansonsten ist er ein klasse Hund.
Er jagd kaum bis gar nicht, läuft ordentlich an der Leine, ist im Haus ein sehr angenehmer Begleiter, er hört 1 A auf den Rückruf und er mag andere Menschen. Und das alles, ohne das ich dies je üben musste.

Fazit: Wenn ihr wieder mal den Spruch hört, dass der Hund sozial sein muss, bleibt locker und überlegt für Euch alleine, was denn sein muss und was nicht.

In diesem Sinne, Eure Diana und ihre Hundeschnauzen 🙂🐕🌼

Hallo liebe Hundehalter  und Hundefreunde.Schön, dass Ihr auf meiner Seite gelandet seit. Ich bin seit 2018 zertifiziert...
25/05/2025

Hallo liebe Hundehalter und Hundefreunde.

Schön, dass Ihr auf meiner Seite gelandet seit.

Ich bin seit 2018 zertifizierte Hundetrainerin und habe seit 30 Jahren selbst eigene Hunde.

Mein ganzes Leben dreht sich also um das Thema Hund.

Aktuell habe ich drei Hunde, Henry, Lou und Lilly. Alle drei sind schon etwas älter, daher nenne ich sie liebevoll "Rentnergang".

Ich arbeite nach den Grundlagen der positiven Verstärkung. Aversive Methoden sind mir zuwider und lehne ich ab.
Strafbasiertes Hundetraining gehört für mich ins Mittelalter.

Positiv bedeutet aber nicht, dass ich den ganze Tag nur meine Hunde mit liebevoller Stimme besäusel oder sie andauernd mit Leckerchen ablenke.
Positiv bedeutet auch nicht, dass die Hunde keine Grenzen lernen.

Positib bedeutet, die Bedürfnisse der Hunde wahr zu nehmen, ie anzunehmen und diese entsprechend einzusetzen, oder sie in erwünschte Bahnen zu lenken.

Positiv bedeutet nicht, den Hundecharakter so zu formen, bi er irgendwann läuft wie eine Maschine. Sondern es bedeutet den Charakter eines Hundes anzunehmen wie ist und mit diesem zu leben in der Umwelt.

Es gibt zig Hundetrainer, welche mit "Ihrer" Methode werben. Dabei gibt es nicht diese eine Methode.

Jeder Hund und jedes Mensch-Hund-Team ist individuell.

Und das versuche ich zu erkennen und die Trainings-Tipps entsprechend anzupassen, damit Hund und Halter harmonisch zusammen leben können.

Wer mehr wissen möchte, der darf mich gerne kontaktieren

Eure Diana und ihre Hundeschnauzen

Adresse

Greifenstein
35753

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