05/06/2026
Die heilende Wirkung der Tiere (Teil 2)
Wie so oft im Leben bleibt nur wenig Zeit zum Durchatmen – oder zum Trauern. Bereits am darauffolgenden Samstag zog eine Stute in den Integrationsbereich unserer Herde ein. Ich kannte sie von früher als starke und souveräne Persönlichkeit.
Doch angekommen ist ein völlig verunsichertes Wesen. Die Erfahrungen der letzten Jahre hatten die Stute sichtbar aus ihrer Balance gebracht.
Unsere stabile Herde begrüsste sie zu fünft, Schulter an Schulter. Schon kurz darauf suchte die neue Stute sehr stark die Nähe zur Freibergerstute. Sobald sich Fribi auch nur ein wenig vom Integrationsbereich entfernte – obwohl sie weiterhin sichtbar blieb – geriet die neue Stute völlig aus der Fassung. In diesem Moment schoss mir nur ein Gedanke durch den Kopf: «Wow, was mute ich unserer entspannten Herde da gerade zu?»
Schliesslich wurde es auch dem Herdenchef zu viel. Er führte seine Herde an den am weitesten entfernten Punkt vom Integrationsbereich weg. Die Aufregung der neuen Stute war enorm. Und doch schien die Herde genau zu wissen, was sie brauchte: ein sensibles Wechselspiel aus Distanz und Annäherung, damit Heilung möglich werden konnte.
Dieses Wechselspiel dauerte Stunden. Der Chef korrigierte die neue Stute immer wieder in ihrer unausgeglichenen Energie. Jedes Mal, wenn sie erneut hochfuhr, gingen die anderen fünf bewusst auf Distanz.
Es war ein beeindruckendes Schauspiel. Nun, fast zwei Wochen später, findet die Stute langsam wieder zurück in ihre Mitte.